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Was sind First Responder?

Begriffsklärung

Der englische Begriff First Responder (FR) bedeutet wörtlich „Erstantwortender“, bzw. etwas freier so etwas wie "Erstversorger".
Vom allgemeinen Verständnis her sind First Responder Personen oder Organisationen außerhalb des regulären Rettungsdienstes, die eine Form von organisierter Erster Hilfe anbieten, und die bei medizinischen Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungsmittels mit qualifizierten Maßnahmen überbrücken.
Die Begriffe „Ersthelfer“, bzw. „Nothelfer“ bezeichnen im Unterschied dazu jeden, der zufällig bei einem Unfall anwesend ist und Hilfe leistet.

In Ermangelung einer klaren Sprachregelung wird der Begriff First Responder in der Schweiz derzeit unterschiedlich, häufig von Feuerwehren, für sanitätsdienstliche Ersteinsatzelemente verwendet.

 

Notwendigkeit und Angebot

First Responder leisten qualifiziert Erste Hilfe am Patienten, kommunizieren mit Rettungsdienst und Sanitätsnotrufzentrale und überbrücken damit für den Notfallpatienten das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Danach unterstützen First Responder bei Bedarf den Rettungsdienst.

Die treibende Kraft für die Installation solcher Systeme ist, dass im Fall eines Herz-Kreislauf Stillstandes mit jeder Minute, in der der Kreislaufstillstand unversorgt bleibt, die Chancen für eine erfolgreiche Wiederbelebung um rund 10 % sinken. In der Regel leisten First Responder eine Versorgung auf Stufe Basic Life Support (BLS), wobei die Defibrillation mit Halbautomaten heute zu den Basismaßnahmen gezählt wird. Es gibt aber auch Systeme, die professionelles Personal eingebunden haben, und die entsprechend auch Leistungen auf ACLS Niveau erbringen.

First Responder Systeme sind immer als Ergänzung zum regulären Rettungsdienst, nie aber als Konkurrenz oder gar Ersatz für die Rettungsdienste zu verstehen.

Entstanden sind First-Responder-Systeme aus der Erkenntnis, dass der organisierte Rettungsdienst oft zu lange zum Einsatzort benötigt, um schwere gesundheitliche Schäden von Notfallpatienten abzuwenden, sowie aus dem Wissen um die niedrigen Hilfeleistungsquoten innerhalb der Bevölkerung.

Die Anfänge der First Responder Systeme sind nicht klar terminierbar. Allerdings sind in den USA frühe Systeme bereits in den 1970er Jahren und in Deutschland ab Mitte der 1980er Jahre beschrieben. In der Schweiz existiert keine systematische Erfassung zu diesem Thema. Sicher ist aber das Frühdefibrillationsprojekt Olten, dass 2001 auf Betreiben der Herzstiftung Olten und der Feuerwehren des Kantons Solothurn aufgebaut wurde, eines der ersten funktionierenden Systeme dieser Art in der Schweiz gewesen.

 

Verbreitung und Organisation

Nachdem zunächst nur wenige Systeme nach und nach diese Aufgabe übernommen haben, verbreitet sich diese Art der Hilfeleistung nun seit einiger Zeit sehr rasch.
Dafür gibt es verschiedene Gründe. So ist das Thema „Kreislaufstillstand und Reanimation“ mittlerweile medienwirksam an die Öffentlichkeit gebracht und in gewissem Sinne populär geworden. Zudem wurden die Notwendigkeit und die Idee grundsätzlich anerkannt, und einige Pilotprojekte konnten gute Ergebnisse vorweisen.

Aktuell gibt es in der Schweiz keine gemeinsame Ordnung oder Organisation. In wenigen Kantonen sind bislang klare Grundlagen für Aufbau und Betrieb erlassen worden (z.B. SO, ZH, TG). Im Wesentlichen sind Ausbildung, Ausrüstung und Organisationsformen noch uneinheitlich geregelt.

Alarmiert werden First Responder Gruppen i.d.R. durch die jeweilige Sanitätsnotrufzentrale 144. Die Einsatzindikationen sind örtlich unterschiedlich geregelt, meist werden First-Responder-Gruppen dann alarmiert, wen der zuständige Rettungsdienst zu lange zum Ereignisort benötigt, oder wenn aufgrund der Einsatzmeldung von einer unmittelbar lebensbedrohlichen Situation ausgegangen wird.

Zwar ist nachvollziehbar, dass bei Organisation im Milizsystem Nächte und Wochenenden am leichtesten abzudecken sind. Sinn machen First-Responder-Systeme aber vor allem dann, wenn sie 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr vorgehalten werden.

 

Qualifikation

Für ihre Aufgabe müssen First Responder seriös zur Durchführung lebensrettender Basismaßnahmen ausgebildet sein. Das beinhaltet im Minimum eine Ausbildung BLS und AED.
Mancherorts werden auch Praktika im Rettungsdienst durchgeführt. Sinnvoll ist eine Grundqualifikation für die Versorgung von Traumata und Handling der wichtigsten Arbeitsgeräte des Rettungsdienstes. Die weitere Qualifikation richtet sich maßgeblich nach den definierten Einsatzindikationen. Neben der qualifizierten Hilfeleistung für die betroffenen Patienten hat die Ausbildung auch die Aufgabe, die Mitglieder der First Responder Gruppen vor Überforderung im Einsatz zu bewahren.

 

Weitere Informationen: First Responder Schweiz